Wanderwoche vom 12.09. bis 19.09.2010 im Mainhardter
Wald
Die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins Malsch
veranstaltet seit Jahren ein bunt gemischtes Wanderprogramm, bei dem Gäste
jederzeit zum Wandern recht herzlich eingeladen sind. Neben den regelmäßigen
Sonntags- und Mittwochswanderungen freut man sich auf die jährliche
Wanderwoche, bei der neben den kulturellen Erlebnissen, dem Wandern in
einer herrlichen Naturgegend auch der gesellschaftliche Aspekt nicht zu
kurz kommt.

Wir
wanderten mit dem Schwäbischen Albverein Mainhardt,
dessen Frauen uns mit einem Picknick überraschten
In angenehmer Gesellschaft unbekannte Landstriche
in der näheren Umgebung mit kompetenten Führern zu erforschen, ist für
die meisten eine neue und zugleich spannende Erfahrung. Peter Jung
organisiert seit einigen Jahren diese Wanderwochen mit großem Erfolg.
„Auf
den Spuren der Römer im Hohenloischen“, unter diesem Motto stand die
diesjährige Wanderwoche. Hand aufs Herz, wer kann auf Anhieb sagen, wo
das Hohenloher Land liegt. Welche Sehenswürdigkeiten und Naturerlebnisse
uns dort erwarten, wissen nur die wenigsten. Umso erstaunter ist man, als
man erfährt, dass die ehemalige Grafschaft Hohenlohe sogar mit der
Stadtbahn zu erreichen ist. Öhringen die ehemalige Residenz des
Grafengeschlechts der Hohenloher liegt gerade mal 130 Kilometer von uns
weg. Mag der eine oder andere wegen dem Stadtbahnanschluss dem reizvollen
Städtchen bereits einen Besuch abgestattet haben, das Hinterland dürfte
weitgehend unbekannt sein.

Limes-Turm
Und
dennoch ist es voller Geschichte, verlief hierdurch doch der durch Baden-Württemberg
gehende Obergermanische Limes. Diesen Landstrich wollten wir ausgehend von
unserem Hotel in Mainhardt durchwandern und dabei auch etwas über die
Besiedelungsgeschichte erfahren.

Unser Hotel „Schoch “ mit Gästehaus
„Zum Paradies“
Der
Mainhardter Wald ist eine bis zu 586 Meter hohe Mittelgebirgslandschaft in
den Landkreisen Schwäbisch Hall bis Heilbronn, dem Hohenlohe- und
Rems-Murr-Kreis. Über seine Höhen und Täler verlief der Teil des
Mainhardter Limes. Bereits an unserem ersten Wandertag konnten wir die
strategische Leistung der Römer beim Bau dieses Verteidigungsbollwerkes
gegen die Germanen erahnen, war es doch in der stark zerklüfteten
Landschaft nur schwer möglich die optimalste Kammlinie gepaart mit der
militärisch strategisch besten Lösung zu bauen. Wir jedenfalls waren von
den tief eingeschnittenen Schluchten fasziniert.

Limes
Wem
wird die sogenannte Himmelsleiter mit ihren unendlichen Stufen nicht in
Erinnerung bleiben. War die erste Angst verflogen, konnte die Begeisterung
über diesen Wanderabschnitt nicht beschrieben werden. Die Himmelsleiter
macht ihrem Namen alle Ehre. Oben angekommen galt es zuerst, einen
nachgebauten römischen Wachtturm zu bestaunen, bevor wir eine verdiente
Rast in einem urigen Lokal, einem ehemaligen Gewächshaus, abhalten
konnten.

Auf der Himmelsleiter
Bei
unserer weiteren Wanderung erfuhren wir viel über das Leben in der
dortigen Region. Das Leben in einer nicht vom Luxus geprägten Landschaft
brachte manche Lebensformen zu Tage, an die wir uns heute gerne in
romantischen Theateraufführungen erinnern, die aber in ihrer ursprünglichen
Lebensart von dieser Romantik weit entfernt war. So wird in Mainhardt seit
Jahren das Theaterstück „Die Räuber“ nach einer historischen Vorlage
sehr erfolgreich aufgeführt. Die Vorlage zu dieser Inszenierung liefert
-wie so oft- eine wahre Begebenheit.
Im
Mittelalter führte ein Handelsweg durch den Mainhardter Wald von
Stuttgart nach Schwäbisch Hall und von dort weiter nach Nürnberg. Gefährlich
war die Durchfahrt wegen der Räuber, die bis ins 18. Jahrhundert hinein
dort ihr Unwesen trieben. Angefangen durch kleine Räubereien entwickelte
sich unter dem Regime des Wirtes Heinrich Weiß eine aus drei Rotten
bestehende Bande, die weit in das Umland hinein Diebeszüge unternahmen.
Die Ironie der Geschichte besteht darin, dass der obengenannte Anführer
Gemeinderat, Wirt und herzoglich-württembergischer Zöllner war. Die
Bande wurde 1772 in Haft genommen, verurteilt und durch das Schwert
hingerichtet. Heinrich Weiß, der Anführer, starb allerdings friedlich im
Bett. Ihm konnte nichts nachgewiesen werden. Nach dieser wahren
Begebenheit wird heute in Mainhardt jedes Jahr das Schauspiel von einer
Laiengruppe dargestellt.
Ein
weiterer kultureller Höhepunkt war die Wanderung vorbei an der Groß-Comburg
auf den Haller Hausberg, den Einkorn. Der Berg ist ein 510 Meter hoher
Bergsporn in den nördlichen Limpurger Bergen. Neben einer urigen zum
Verweilen einladenden Raststätte ist dort aber die Ruine der barocken
Wallfahrtskirche zu den Vierzehn Nothelfern zu nennen. Atemberaubend ist
auch die Aussicht auf Schwäbisch Hall und das Hohenloher Land. Nach
unserem Abstieg erwartete uns noch ein ganz besonderer kultureller Höhepunkt.
Bei einer Stadtführung durch die mittelalterliche, durch das Salz geprägte
ehemaligen freien Reichsstadt mit einem der schönsten Marktplätze
Deutschlands konnten wir die Entstehung die kulturellen und
geschichtlichen Eindrücke auf uns wirken lassen. Bereits im 3.
Jahrhundert vor Christus war die Solequelle Anlass für keltische
Siedlungen. Besonders beeindruckend ist die Geschichte der im 12.
Jahrhundert von den Staufern erbauten Kirche St. Michael, deren imposante
Freitreppe jedes Jahr die Kulisse für die Haller Freilichtspiele bildet.
Die charakteristische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern spiegelt
jedenfalls einen ganz besonderen Reiz. Dank unseres Stadtführers konnten
wir in einem der zahlreichen Stadtbauten im Vorraum eines Hauses die
Funktionsweise eines sogenannten Fünfständerhauses erfahren.

Die Wandergruppe in der Altstadt von Schwäbisch Hall
Ein
weiterer Höhepunkt der Wanderwoche war der Besuch des Hohenloher
Freilandmuseums. Ein kleines Stück Geschichte erschließt sich in dem 40
Hektar großen Areal bei Wackershofen. Es umfasst über 60 Gebäude,
eingebettet in eine wunderschöne Hügellandschaft mit Weinbergen,
Streuobstwiesen und kleinen Gewässern. Wer erinnerte sich nicht in seine
Kindheitstage zurückversetzt, als man das liebevolle Museum
durchstreifte. Das älteste Gebäude stammt aus dem Jahr 1480. Es wurden
im Museum, das übrigens eine Reise wert ist, originale Gebäude aus dem
ganzen Hohenloher Raum aufgebaut. Neben dem Schulgebäude, das eine
Lehrerwohnung aus dem frühen 20. Jahrhundert darstellt, waren vor allem
die Mühlen und die landwirtschaftlich geprägte Geschichte dargestellt.
Besonders war die Ausstellung über den Nationalsozialismus im Gasthaus
„Roter Ochsen“ zu erwähnen. Mithilfe von modernster Technik wurde
hier die Geschichte einer Jüdin nacherzählt, die auf einem Hof das Ende
des „Tausendjährigen Reiches“ erleben durfte. Ein spannendes wie
ebenso erschütterndes Lebensschicksal.

Gasthaus
„Roter Ochsen“ im Museumsdorf Wackershofen
Ein ganz besonderes Erlebnis
war die Limeswanderung mit einem Limes-Cicerone, einem speziell für die
Limesforschung ausgebildeten Führer. Von ihm bekamen wir nicht nur sehr
fundierte Kenntnisse über das römische Leben in Germanien, sondern er überreichte
uns auch einen römischen Wein, den sogenannten Mulsum. Dieses Getränk
wurde speziell nach neuesten Erkenntnissen mit natürlichen Aromen
versetzt dem originalen römischen Wein nachempfunden. Für den heutigen
Gaumen sind dies eher ungewohnte Geschmacksempfindungen.
Der
Limes selbst ist das größte archäologische Kulturdenkmal Europas. Es ist insgesamt 548
km lang und über 1900 Jahre alt. Die einstige Grenzbefestigung des Römischen
Reiches erstreckte sich mit etwa 900 Wachtürmen und ca. 60 größeren und
noch einmal etwa 60 kleineren Kastellplätzen zwischen Rheinbrohl am Rhein
über den Westerwald, den Taunus, die
Wetterau, den Odenwald, die Schwäbische Alb und das Altmühltal bis nach
Hienheim bzw. Eining an der Donau. Einen
besonders gut erhaltenen Abschnitt findet
man im Mainhardter Wald.
Bereits 100 n Chr.
wurden zum Schutz gegen die Germanen erste Patrouillenwege entlang der
Grenze angelegt. Dies gilt als der
eigentliche Beginn des planmäßigen Ausbaus des Limes. Anfangs handelte
es sich um eine von hölzernen Türmen aus überwachte Schneise. Ab
120 n. Chr. kamen dann unter Kaiser Hadrian [117–138 n. Chr.]
Palisaden aus Eichenholzstämmen zu den Schneisen hinzu, welche den
Postenweg zusätzlich sicherten und die Grenzlinie wie eine hölzerne
Mauer schlossen. Somit war es möglich, Zoll für Waren zu erheben,
Warenströme zu kontrollieren und Zuwanderungen zu regulieren. Die
Holztürme wurden nun am gesamten Limes durch Steintürme ersetzt und
dort, wo es nötig war, ergänzt. In der Provinz Obergermanien wurden
gegen 180 n. Chr. Wälle und Gräben angelegt. Der Limes diente weniger
der Abwehr gegen die Germanen als vielmehr der Überwachung der Grenze
zwischen dem Römischen Reich (Imperum Romanum) und dem freien Germanien.
Darauf weist allein schon die Tatsache hin, dass durchschnittlich nur etwa
50 Soldaten pro km am Limes stationiert waren.
Diese Grenzlinie
schützte römisches
Gebiet vor räuberischen Überfällen,
hier kontrollierten die Römer den grenzüberschreitenden
Handelsverkehr, der
eine wichtige wirtschaftliche Grundlage für das Limeshinterland
darstellte. Übrigens bedeutet das
Wort Limes einen Feldweg, insbesondere den Weg, der die Besitzgrenze
zwischen zwei Grundstücken bildete. Wir jedenfalls konnten ein Stück des
wiederhergestellten obergermanischen Limes bewundern. Auf einen begehbaren
Beobachtungsturm sah man sich in eine längst vergangene Zeit zurück
versetzt.
Am Ende dieser sowohl für die Seele als auch für den
Wissensgeist erholsamen Woche wurden mannigfache Eindrücke mit nach Hause
genommen.
Wir, die Wanderer der Malscher Ortsgruppe des
Schwarzwaldvereins, bedanken sich ganz herzlich bei Herr und Frau Fischer,
sowie den Wanderführern des Schwäbischen Albvereins Mainhardt für die schönen,
erlebnisreichen Tage.
henh
Ein kleines Gedicht von Edith Duch als Dank an den Organisator Peter
Jung:
Kurz
vor der Wanderwoche Ach und Weh!
Da brach der Peter sich nen Zeh.
Doch lang schon war der Plan erdacht,
nun wird er ausgeführt! Wär doch gelacht!
So fuhren wir nach Mainhard hin
bei Sonnenschein, mit frohem Sinn.
Bisher hat er nur einen Ortskundigen engagiert,
diesmal den ganzen Albverein animiert.
Morgens
standen zwei Führer uns bereit.
Sie wussten gar viel aus vergangener Zeit.
Erzählten uns von Römern und Räuberhorden,
Limes, Türmen, Kämpfen und Morden.
Bei Grabungen manche Relikte man fand.
Wir wanderten auf sehr geschichtsträchtigem Land.
Sogar
in dem malerischen Schwäbisch Hall
steht heute noch auf dem Marktplatz der Marterpfahl.
Natürlich
ist auch bei Aufstiegen manch Schweißtropfen geflossen,
auf den Höhen haben wir aber herrliche Aussicht genossen.
Einmal
sogar -Überraschung perfekt-
war für uns im Wald aufgebaut ein Stand mit Sekt.
Auch
der Liederabend sei nicht vergessen,
wo wir mit den Insidern fröhlich gesessen.
Und Petrus muss sein wohl ein Wanderfreund,
mit dem Wetter hat er s mit uns gut gemeint.
Wir
sind uns da einig, keine Frage,
im Hohenloher Land verlebten wir schöne Tage.
Deshalb
ganz herzliches Dankeschön, lieber Peter
Es hat allen gefallen, das sagt ein jeder
Wir denken gerne an diese Woche zurück.
Und wünschen weiterhin für deine Pläne viel Glück
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