| Wanderwoche
im Erzgebirge vom 21.05. bis 28.05.2006
Für unsere diesjährige Wanderwoche hatte unser Organisator
Peter Jung das Erzgebirge vorgesehen und in Bezug auf das Quartier als
auch in der Wahl des einheimischen Wanderführers eine glückliche Hand
gehabt. Nicht nur, dass Gert
(dieser Wanderführer) uns jeden Morgen mit einem Choral auf seinem Horn
begrüßte, er hatte auch Touren ausgearbeitet, wie das nur ein
Ortskundiger kann. Die Wege
waren alle gut begehbar und führten durch eine wunderschöne Landschaft,
blumige Wiesen, tiefe Kiefernwälder und vorbei an interessanten
Felsformationen.

Zur allgemeine
Freude trafen oft unsere Nichtwanderer an den „Tankstelle“
(Mittagspause) ein. Auch sie genossen per Auto diese herrliche Gegend. Von
verschiedenen Türmen (z.B. dem auf dem über 1000 m hohen Auersberg)
hatte man einen grandiosen Ausblick über weite Täler und Höhen. Die
Erzgebirgler halten ihre Tradition hoch.

So hörten wir unterwegs manches über Jahrhundertalte
Begebenheiten wie Prinzenraub (übrigens später in geschnitzter
Miniaturgröße im Museum zu sehen) , den Lebensgewohnheiten der Menschen
oder Geschichten aus der jüngsten (DDR) Vergangenheit, die Wanderungen
waren dadurch immer recht lehrreich und unterhaltsam. Da der Bergbau in
dieser Region mit an erster Stelle stand , war
natürlich eine Einfahrt in einen Stollen auf dem Programm. Bis ins
kleinste ausgearbeitet, konnte man anschließend die Arbeitsgänge im Berg
aus der Frühzeit - mit beweglichen kleinen
Schnitzfiguren dargestellt- anschauen.
Der Besuch der uralten Frohnauer
Hammerschmiede war ebenfalls sehr
interessant. In Annaberg gab es dann in unzähligen Geschäften kunstvolle
Schnitzereien und wunderschöne Klöppelarbeiten zu bestaunen.

Eine weitere
Sehenswürdigkeit war die St.Annen-Kirche mit ihrer einzigartigen Innen-Gestaltung. Der Turm ist einer der 5 in Deutschland noch
bewohnten Kirchtürme. Von Schwarzenberg, wo er zu Hause ist, konnte Gerd
natürlich auch eine Menge erzählen.
Eine Kuriosität der Stadt und des Landkreises war, dass dies
Gebiet in 1945 aus unerklärlichen Gründen weder von den Russen noch von
den Amerikanern besetzt war und somit als „kleiner Freistaat“ galt,
der sogar eigene Briefmarken herausbrachte. Von Hunger getrieben, musste
man dann doch mit den Russen Verbindung aufnehmen und wurde von ihnen
annektiert. Neben dem Schloss und der St. Georgenkirche ist das Meissener
Porzellan-Glockenspiel eine Besonderheit.

Gerd spielte uns gleich eine Weise (u.a. “Vogelbeerbaum“
der aus dieser Gegend stammt) vor. Der Höhepunkt aber war das
Schnitzermuseum in Bermsgrün. Was wir in dieser ausgebauten Scheune zu
sehen bekamen, kann man nicht beschreiben:
Große und kleine Kunstwerke , von einem einzigen Mann geschnitzt.
Gerd hatte ihn noch gekannt und beschrieb ihn als einfachen und
bescheidenen Mensch. Unter anderem hatte er sein ganzes Leben in Miniatur
dargestellt, von der Geburt, Schul- und Berufszeit, Krieg, Lazarett- alles
bis aufs kleinste ausgearbeitet – unfassbar.

Da gab es alle möglichen Motive , Märchen – Alltag und
Berufe im Erzgebirge-Rittergeschichten- Schulklassen mit Kindern- ,jedes
ein anderes Gesicht- in Streichholzgröße, die man nur durch eine Lupe
betrachten konnte , Bergmannsstollen, meist alles beweglich und
beleuchtet- einzigartig-! Auch die Weihnachtsecke fehlte nicht. Das war
ein unvergleichliches Erlebnis. Am
gleichen Tag fuhren wir ein paar Kilometer weiter nach Zwönitz, wo der
große Nachtwächter- und Türmerumzug stattfand.

Aus vielen Teilen
Deutschlands und aus Frankreich, England, Skandinavien usw. waren viele in
ihren historischen Kostümen angereist. Dieser Umzug ist jedes Jahr in
einem anderen Land. Die große Bergmannskapelle, ebenfalls in
althergebrachter Tracht, spielte, Man konnte den Frauen beim Klöppeln und
den Männern beim Schnitzen zusehen.
Zum Schluss ging es noch auf den 1214 m hohen Fichtelberg,
der höchsten Erhebung. Da hatten wir dann noch mal einen herrlichen
Rundblick über das Land, unten Oberwiesenthal, die höchste Stadt
Deutschlands, dahinter Böhmen und Tschechien. Wir hatten Glück mit dem
Wetter, in Malsch sahen wir 2 Tage später die gleiche
Stelle mit Schnee bedeckt.
So war jeder Tag randvoll, aber auch abends war Gerd noch bei uns tätig.
Er kam mit Schellenbaum und Harmonika, auch mal mit Zither, und
unterhielt uns, zeigte Dias aus der Gegend und las manche lustige
Geschichte aus seinen eigenen Werken vor. Er war wirklich ein Phänomen.
Ebenso erlebten wir einen lustigen Abend mit dem Alleinunterhalter
Werner, der uns mit seinen spritzigen Witzen und den ins Ohr gehenden Melodien Freude
bereitete.
Lieber Peter, Du hast uns mit dieser Reise eine
unvergessliche Wanderwoche geboten. Es hätte nicht besser sein können,
und wir werden noch lange davon zehren. Die ganze Mannschaft sagt Dir ein
herzliches Dankeschön.
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